Die Geschichte der Landsmannschaft Rhenania Jena

Im Jahre 1828 gründeten zwanzig Jenenser Studenten im alten Universitätsgebäude "St. Paulus" in Jena den "Akademischen Singverein" mit eigener Satzung, ein noch nicht streng korporativ organisierter Zusammenschluss musikalischer Studenten. 1857 wurde der Singverein suspendiert (1. Suspension).

Am 2. März 1862 rekonstituierte sich der ehemalige Singverein unter dem Namen "Akademischer Gesangsverein Paulus" (AGV). Nach und nach nahm der AGV strengere korporative Formen an. Im Rahmen der Veränderungen wurde der Name 1871 in AGV Paulus geändert. Es wurden blaue Mützen getragen und 1873 die erste Fahne (Couleur: blauweiß-blau) angeschafft. Im Jahre 1878 stand der erste Paulaner auf Mensur. Nach zunehmender Zahl der Mensuren führte man ein blau-weiß-blaues Band als Zeichen der Verbundenheit ein und trat dem Kösener Senioren Verband bei.

1881 ändert man den Namen in Rhenania. Seit 1879 gibt der AHV eine Bundeszeitung heraus. Die Rhenania tritt dem Goslarer Kartell bei, sieht sich jedoch mit großen personellen Problemen konfrontiert, was nicht zuletzt auf die Mitgliedschaft im Kösener Senioren Verband zurückgeführt wird. Folge der Probleme ist die 2. Suspension im Jahre 1886.

Unter Mithilfe der befreundeten Landsmannschaft Teutonia aus München wird Rhenania 1893 rekonstituiert. Ab diesem Zeitpunkt tragen alle Rhenanen das hellblau-weiß-rote Band (Farben von unten gelesen). Als Kopfbedeckung gilt für die Aktiven eine blaue Hinterhauptsmütze, für die AHAH blaues Normalcouleur mit blau-weiß-rotem Farbsaum.

In der Zeit nach der zweiten Rekonstitution entwickelt sich das Bundesleben und somit auch die Rhenania prächtig und als einer der ersten Bünde wird 1902 ein eigenes Haus gekauft. Es ist das historische Geleitshaus an der Camsdorfer Brücke in Jena. Leider mußte das Geleitshaus der Brückenerweiterung 1911 weichen, so dass Rhenania eine neue Heimat suchen musste. Man fand diese in der Saalbahnhofstraße, wo man sich 1912 ein prächtiges Verbindungshaus baute.

Rhenania war in der Folgezeit, nicht zuletzt aufgrund des herausragenden Fechtstandpunktes, eine in Jena und dem ganzen Reich respektierte Korporation. Man gehörte bereits seit 1894 dem Coburger Landsmannschafter Convent (Coburger L.C.) an und führte dort im Jahre 1921 den Vorsitz. Das hervorragend organisierte Präsidialjahr brachte Rhenania erneut hohes Ansehen in ganz Deutschland, so daß das Gold-Kartell Rhenania den Beitritt anbot. Dieser vollzog sich 1922.

Das Hitler-Regime erzwang 1936 die 3. Suspension der Rhenania durch die Gleichschaltung aller studentischen Vereinigungen. Um weiter existieren zu können organisierte man sich, gemeinsam mit der Jenenser Landsmannschaft "Die Märker'' in eine Kameradschaft mit dem Namen "Egerland" um. Man bewohnte zu dieser Zeit das Märkerhaus, das Rhenanenhaus wurde verkauft.

Nach Ende des 2. Weltkrieges war eine Fortführung im sowjetische besetzten Teil Deutschlands nicht möglich, so dass man sich schweren Herzens nach einer geeigneten Alternative zur alma mater jenensis umsehen musste. Fündig wurde man schließlich in Marburg und rekonstituierte sich dort, unter Verschmelzung der AH-Verbände, mit den Märkern 1951 als Landsmannschaft Rhenania-Jena zu Marburg. Im Jahr 1957 wurde das Haus im Teichwiesenweg bezogen, nachdem man zuvor bei der Turnerschaft Philippina residiert hatte. Im Jahre 1969 verschmolz die Rhenania mit der Landsmannschaft Burgundia aus Jena, die sich vergeblich um eine eigene Rekonstitution bemüht hatte.

Erst im Jahre 1973 einigte man sich endgültig auf das Gründungsjahr 1828.

Die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes machte es Rhenania 1990 möglich, sich in Jena zu rekonstituieren. Seit dieser Zeit hat Rhenania als einzige Korporation Deutschlands zwei Aktivitates an zwei Hochschulorten. Man konnte und wollte die inzwischen fast 40-jährige Marburger Tradition nicht aufgeben, sah sich andererseits verpflichtet, die alte jenenser Landsmannschafter-Tradition neu aufleben zu lassen. Man bezog wieder das noch gut erhaltene Rhenanenhaus in der Saalbahnhofstraße. Seit 1997 ist Rhenania auch wieder Eigentümer dieses inzwischen 100 Jahre alten Hauses.

Im Jahr 2010 wurde die Aktivitas in Marburg mangels Nachwuchs suspendiert und zwei Jahre später das Haus am Teichwiesenweg verkauft.

Seit dem Jahr 2012 existiert eine Aktivitas weiterhin nur noch in der angestammten Heimat Jena.

Märkergeschichte

Die Märker wurden als "Verein junger Mediziner" am 6. Dezember 1881 in Jena gegründet, gewannen 1889 unter dem Namen "Medizinischer Verein" korporative Form und schlossen sich von 1896 bis 1911 dem Verband naturwissenschaftlicher und medizinischer Vereine an deutschen Hochschulen (Goslarer Kartell) an. Im Jahre 1925 wandelte sich der Verein zur farbentragenden und schlagenden Verbindung "Die Märker" mit den Farben schwarz-weiß-rot und schwarzer Biedermeiermütze um und trat in den Verband der Wehrschaften ein. Bereits 1924 hatte man sich ein eigenes Haus in der Seidelstraße in Jena gebaut. Nach dem Ausscheiden aus der Deutschen Wehrschaft im Sommersemester 1930 nahm man die Bezeichnung Landsmannschaft an und trat 1932 der Deutschen Landsmannschaft (DL) bei. 1935 erfolgte die Suspension und 1938 der Zusammenschluß mit Rhenania in der Kameradschaft "Egerland".


Burgundengeschichte

Die Landsmannschaft Burgundia zu Jena hat ihren Ursprung in der im Wintersemester 1874/75 gegründeten interkorporativen "Philologischen Vereinigung" als Bildungsgemeinschaft mit Professoren und Studenten als Mitglieder; sie nannte sich später "Klassisch-Philologischer Verein zu Jena" im Kartellverband gleicher Namensgebung. 1901 nahm sie Zirkel und Farben auf und führte seit dem 24. 6. 1912 den Namen "Klassisch Historische Verbindung Hermunduria zu Jena" mit unbedingter Satisfaktion und weinrot-weiß-goldenem Kneipcouleur. Als "Wissenschaftliche Verbindung Hermunduria zu Jena" trat sie im Sommersemester 1921 dem Deutschen Waffenring und dem Hochschulring deutscher Art bei. Am 16. 6. 1924 verschmolzen "Hermunduria", "Silvania auf den Kernbergen" und "Burgundia" zur "Freien Akademischen Verbindung Burgundia zu Jena". Man verließ das Göttinger Kartell, gab unbedingte Satisfaktion und führte Zirkel und die Farben weinrot-weiß-gold mit weinroter Mütze im Biedermeierformat. 1924 wurde man in den Verband der Deutschen Wehrschaften admittiert und 1925 aufgenommen. Im Sommersemester 1929 konnte das Verbindungshaus am Unteren Philosophenweg bezogen werden. Nach dem Ausscheiden aus den Deutschen Wehrschaft im Wintersemester 1929/30 wurde ein Paukverhältnis mit den Jenenser Landsmannschaften eingegangen. Der Admission in den Verband der Deutschen Landsmannschaften 1932 folgte die Rezeption 1934. Nach der Zwangsauflösung der Verbände und Korporationen 1936 beheimatete Burgundia bis 1945 auf ihrem Haus die Kameradschaft Günther Pfarr. Am 1. 11. 1969 vollzog der AHV Burgundia die Verschmelzung mit der Landsmannschaft Rhenania-Jena zu Marburg.